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Gemeinsam kochen, gemeinsam lernen: Ein inklusiver vhs-Kochkurs mit Dolmetschung in Deutsche Gebärdensprache

13.02.2025   |   Autor*in: Susanne Bell

Inklusion in der Erwachsenenbildung wird besonders dann sichtbar, wenn sie im Alltag selbstverständlich gelebt wird. Ein gelungenes Beispiel dafür ist der vhs-Kochkurs „Bestens versorgt und ruckzuck fertig“, der als reguläres Angebot im Programm verankert war und gezielt gehörlose sowie nicht gehörlose Menschen zusammenbrachte. Ziel war es, ein gemeinsames Lernerlebnis zu schaffen und Kommunikationsbarrieren konsequent abzubauen.

Geleitet wurde der Kurs von einer erfahrenen Dozentin. Von Beginn an wurde sie von zwei professionellen Gebärdensprachdolmetscherinnen begleitet, die sämtliche Inhalte simultan in Deutsche Gebärdensprache (DGS) beziehungsweise in Lautsprache übersetzten. Damit war sichergestellt, dass alle Teilnehmenden gleichberechtigt kommunizieren und aktiv am Kursgeschehen teilnehmen konnten.

Zielgruppenorientierte Ansprache als Schlüssel zum Erfolg

Ein entscheidender Erfolgsfaktor lag in der frühzeitigen und gezielten Bewerbung des Kurses. Bereits Wochen vor Kursbeginn wurde das Angebot innerhalb der Community gehörloser Menschen bekannt gemacht. Die Volkshochschule arbeitete dabei eng mit einem regionalen Gehörlosenverband sowie weiteren Netzwerken und Multiplikator*innen zusammen.

Besonders wichtig war die transparente Kommunikation: In der Ausschreibung wurde klar darauf hingewiesen, dass professionelle Dolmetscherinnen während der gesamten Veranstaltung anwesend sein würden. Diese Offenheit signalisierte Verlässlichkeit und Respekt. Durch die persönliche Weiterleitung über etablierte Strukturen der Community konnte Vertrauen aufgebaut werden – eine zentrale Voraussetzung dafür, dass sich gehörlose Interessierte tatsächlich anmeldeten.

Eine gemischte Gruppe auf Augenhöhe

Am Kurs nahmen insgesamt zehn Erwachsene unterschiedlichen Alters teil, darunter sechs gehörlose und vier nicht gehörlose Personen. Vorkenntnisse im Kochen waren nicht erforderlich, sodass alle auf einem gemeinsamen Ausgangsniveau starteten.

Die Dolmetscherinnen ermöglichten von Anfang an eine barrierefreie Kommunikation. Anleitungen, Rückfragen, spontane Bemerkungen und selbst humorvolle Kommentare wurden wechselseitig übersetzt. Entscheidend war, dass nicht nur die formalen Unterrichtsphasen, sondern auch informelle Gespräche beim Schneiden, Würzen oder Abschmecken einbezogen wurden. So entstand keine künstliche Trennung zwischen „offiziellem“ Unterricht und beiläufigem Austausch.
Die Dolmetscherinnen agierten dabei nicht als Fremdkörper, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des Kurses. Diese Professionalität trug wesentlich zu einer entspannten und offenen Atmosphäre bei.


Begegnung im gemeinsamen Tun

Während des Kochens arbeiteten die Teilnehmenden in gemischten Kleingruppen zusammen. Schnell entwickelten sich Gespräche über persönliche Kochgewohnheiten, Alltagsorganisation, kulturelle Unterschiede beim Essen und Erfahrungen mit Inklusion. Nicht gehörlose Teilnehmende berichteten später, dass sie erstmals intensiveren Kontakt zu gehörlosen Menschen hatten. Gleichzeitig betonten gehörlose Teilnehmende, wie bedeutsam es für sie sei, ohne Kommunikationsbarrieren an einem regulären vhs-Kurs teilnehmen zu können.

Gerade das praktische Arbeiten erwies sich als verbindendes Element. Gemeinsame Aufgaben, kleine Missgeschicke und kulinarische Erfolgserlebnisse schufen Nähe. Berührungsängste wurden sichtbar abgebaut, weil Kommunikation jederzeit möglich war.

Das gemeinsame Essen als Raum für Begegnung

Nach dem Kochen wurde gemeinsam gegessen – ein Moment, der sich als besonders wertvoll für das soziale Miteinander erwies. Auch hier blieb die Kommunikation dank der Dolmetscherinnen durchgehend barrierefrei. Das gemeinsame Essen bot Raum für persönlichen Austausch, vertiefte Gespräche und gemeinsames Lachen.

In dieser Phase zeigte sich besonders deutlich, was Inklusion bedeutet: nicht nur nebeneinander zu lernen, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Gemeinschaftsgefühl wuchs, Unsicherheiten schwanden, und aus einem Kochkurs wurde ein Begegnungsraum.


Was Bildungsträger daraus lernen können

Das Projekt verdeutlicht, dass Inklusion kein Zufallsprodukt ist. Sie entsteht durch bewusste Planung, strukturelle Maßnahmen und verlässliche Kooperationen. Barrierefreiheit muss von Beginn an mitgedacht und finanziell eingeplant werden. Ebenso entscheidend ist die Zusammenarbeit mit Community-Strukturen und Vertrauenspersonen, um Angebote zielgerichtet bekannt zu machen.

Transparenz in der Ausschreibung schafft Vertrauen. Professionelle Dolmetschung sollte nicht nur für Unterrichtssequenzen, sondern auch für Pausen und informelle Gespräche vorgesehen werden, damit echte Teilhabe möglich wird. Und schließlich zeigt der Kurs, wie wichtig gemischte Gruppen sind: Inklusion bedeutet gemeinsames Lernen statt paralleler Angebote.

Der inklusive Kochkurs „Bestens versorgt und ruckzuck fertig“ macht deutlich, dass inklusive Erwachsenenbildung im regulären Programm erfolgreich umsetzbar ist. Durch sorgfältige Vorbereitung, gezielte Ansprache und professionelle Kommunikationsunterstützung entstand ein Lernraum, in dem Vielfalt selbstverständlich war. Das Projekt zeigt: Wenn strukturelle Barrieren konsequent abgebaut werden, entstehen Begegnungen, die weit über das eigentliche Kursthema hinauswirken.

 

 

 

  

Kategorie: Veranstaltungen;Berichte;Erfahrungsaustausch
Schlagwörter: VHS Frankfurt_am_Main  |    |  Best-Practice-Beispiel  |    |  Inklusion_an_hessischen_vhs  |    |  Hessischer_Weiterbildungspakt





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